Wandern als Meditation

Innere Einkehr und Entschleunigung

 Gleichmäßig knirscht der Boden. Die Schritte geben den Rhythmus vor. Über Jahrmillionen war das Schritttempo die natürliche Höchstgeschwindigkeit. Daher ist der Mensch auch darauf programmiert, die Eindrücke aus der Umgebung im Rhythmus des Gangs aufznehmen und zu verarbeiten.


Die Beschleunigung von Auto, Eisenbahn und Flugzeug erhöht das Tempo enorm und der Mensch verfällt immer mehr in die Raserei. Das Rasen ist nicht nur mehr für die Fortbewegung charakteristisch, viele Lebensbereiche werden davon immer mehr betroffen. Der Mensch verliert dadurch auch zunehmend das Gefühl für die eigenen Grenzen – er verlässt sich lieber auf Uhren, Schrittzähler, Apps und Pulsgurte, um die Leistungskurve und den Muskelaufbau zu optimieren. Das hohe Lebenstempo der modernen Welt ist nicht nur für den Körper anstrengend, sondern auch für den Geist

Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert. Johann Wolfgang von Goethe

 

Die Natur als sanfte Heilung für unsere Seele

Britische Forscher haben herausgefunden, dass Bewegung in freier Natur nicht nur der körperlichen Gesundheit gut tut, sie ist auch Balsam für unsere reizüberflutete Seele. Bereits kurze Aufenthalte im Grün stärken erwiesenermaßen das Selbstwertgefühl, mindern Stress und hellen die Stimmung nachhaltig auf.

Wandern als Meditation

Lass dich ein auf das Erlebnis Natur. Erlebe die rhythmische Trance der aufeinander folgenden Schritte.

Es muss nicht immer höher, schneller, weiter sein. Erfahre zielloses Wandern als Meditation zum eigenen Kern der Seele. Achtsam befreist du so deinen Geist von Gedanken und Emotionen , gibst dich ganz den Sinneseindrücke der Natur hin und lässt dich im Rhythmus deiner eigenen Schritte, im wahrsten Sinne des Wortes, einfach gehen. Absichtsloses umherschreiten und sich an Unscheinbarkeiten erfreuen, anstatt Gipfelsieg und Zeitdruck.

Das Wandertempo durchbricht die Alltagshektik und eröffnet einen neuen Zugang zur Umwelt. Qualität anstatt Quantität zählt. Innehalten, genießen, staunen und neugierig sein.

Langsamkeit vermittelt Geborgenheit und Heiterkeit

Drossel dein Tempo. Gehe langsam und bedacht und übe dich auch im beruhigen deiner Gedanken. Die Gefühle der tiefgreifenden körperlichen und gedanklichen Ruhe halten oft Tage an. Je öfter du dich der Langsamkeit hingibst desto intensiver wirst du sie erleben und eröffnet dir von Mal zu Mal neue Blickwinkel auf dich und die Natur.

Quelle:

Fachzeitschrift: Psychologische Medizin, 26. Jahrgang 2016, Nummer 2. Lesky J., Walk and Talk in der Psychotherapie.

Zeitrschrift: Good Time (2015); Achtsam wandern